Antihormonelle Therapie bei Krebs

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Hormone sind Botenstoffe des Körpers. Sie sind für die Steuerung vieler Körperfunktionen zuständig. Die Produktion von Hormonen ist ein sehr komplexer Kreislauf. Jedes Hormon hat ganz eigene Aufgaben im Körper.

Hormone können auch Krebszellen beeinflussen. Wenn Tumore unter dem Einfluss von Hormonen wachsen, werden diese als hormonabhängige Tumore bezeichnet. Zu den Krebsarten, die hormonabhängig wachsen können gehören z.B. Brustkrebs oder Prostatakrebs.

Werden einem hormonabhängigen Krebs Hormone entzogen oder die Wirkung dieser gebremst, wird sein Wachstum behindert. Bei einer Krebsbehandlung wird deswegen versucht, den Spiegel des betreffenden Hormons im Körper zu senken. So kann der Krebs häufig nicht mehr weiter wachsen und sich nicht ausbreiten. Medizinisch wird dies als antihormonelle Therapie bezeichnet.

Um zu überprüfen ob ein Tumor durch Hormone wächst, werden vor einer Behandlung Krebszellen im Labor untersucht. Dabei wird geprüft, ob auf der Oberfläche der Krebszellen Rezeptoren, also mögliche „Andockstellen“ für Hormone, vorhanden sind. Nur wenn Rezeptoren vorhanden sind, kann eine antihormonelle Therapie wirken.

Es gibt drei Wirkmechanismen, mit denen die Wirkung von Hormonen auf das Krebswachstum unterbrochen werden.

Die erste Möglichkeit besteht darin die Bildung der betreffenden Hormone zu unterdrücken. Hierzu können Medikamente oder Operationen genutzt werden. Medikamente dieser Form behindern die Bildung von Hormonen in den Hormondrüsen. Das sind häufig Östrogen in den Eierstöcken der Frau und Testosteron in den Hoden und Nebennieren des Mannes. Alternativ können hier auch Operationen eingesetzt werden – beispielsweise können die Eierstöcke einer Frau operativ entfernt werden.

Als zweite Möglichkeit kann die Bildung des Steuerungshormons GnRH (Gonadotropin Releasing Hormon) unterbunden werden. GnRH steuert die Bildung von Östrogen und Testosteron.

Als dritte Möglichkeit können die Andockstellen (Rezeptoren) für Hormone blockiert werden. Die Wirkstoffe besetzen dann den Platz der Hormone. Die Hormone können am Tumor nicht mehr wirken.

Nach einer medikamentösen Behandlung, kann sich der Hormonhaushalt wieder normalisieren. Die medikamentöse antihormonelle Therapie kann als Tablette oder in Spritzenform verabreicht werden. Sie wird häufig über einen langen Zeitraum eingesetzt. Wenn ein Krebs nicht mehr heilbar ist, kann eine antihormonelle Therapie auch dauerhaft erfolgen.

Eine antihormonelle Behandlung wirkt im ganzen Körper und nicht nur an einer bestimmten Stelle. Medizinisch wird dies als systemische Therapie bezeichnet. Das bedeutet aber auch, dass Nebenwirkungen häufig den ganzen Körper betreffen (z.B. Hitzewallungen).

In unserem nächsten Beitrag stellen wir die antihormonelle Therapie bei Brustkrebs vor.

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