Small Molecules – kleine Moleküle gegen Krebs

Foto von Nathan Dumlao auf Unsplash

Small Molecules heißt übersetzt kleine Moleküle. Diese neuen Medikamente blockieren oder verändern Andockstellen (Rezeptoren), Enzyme oder andere Eiweiße von Krebszellen. Dadurch wird der Wachstumsprozess der Krebszellen gestoppt.

Small Molecules binden sich an Rezeptoren auf der Zelloberfläche oder dringen in das Innere der Krebszelle. In der Zelle lagern sie sich an bestimmte Eiweiße und Strukturen der Zelle und blockieren deren normale Funktion. Sie hindern die Krebszellen daran zu wachsen, sich zu teilen, sich zu reparieren und lösen damit den Zelltod der Krebszelle aus.

Blockieren von Wachstumsfaktoren und Signalketten

Alle Zellen übermitteln Wachstumssignale durch Botenstoffe, die auch als Wachstumsfaktoren bezeichnet werden. Wachstumsfaktoren an und in der Zelle sind in Signalketten miteinander verbunden. Die Moleküle der Signalketten heißen z.B. Tyrosinkinasen. Die Abläufe in den Signalketten führen dazu, dass Zellen wachsen oder sich teilen. Werden Wachstumsfaktoren, Rezeptoren oder Botenstoffe blockiert, kann die Krebszelle keine Eiweiße mehr bilden und nicht mehr wachsen.

Die meisten Wirkstoffe der Small Molecules setzen an diesen Signalketten des Zellwachstums an. Sie hemmen Rezeptoren für Wachstumsfaktoren oder Tyrosinkinasen in der Krebszelle.

Krebszellen können auch selbst Wachstumsfaktoren abgeben. Zum Beispiel senden Krebszellen Wachstumsfaktoren aus, die Blutgefäße zum Wachsen anregen, damit das Tumorgewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Auch gegen diese Wachstumsfaktoren wurden neue Medikamente entwickelt.

Blockieren von Zellteilung und Reparatureiweißen

Andere Angriffspunkte für Small Molecules sind Moleküle, die Informationen aus dem Erbgut ablesen, das Erbgut reparieren oder Fehler an Eiweißen der Zelle reparieren.

Um Eiweiße zu bilden, zu wachsen und sich zu teilen, müssen Zellen das Erbgut ablesen. Dabei können Fehler entstehen. Jede Zelle hat deshalb Reparaturmoleküle, die Fehler im Erbgut reparieren oder Fehler an Eiweißen reparieren. Einige Small Molecules behindern solche Reparaturmoleküle. Werden diese Reparaturmoleküle blockiert, nimmt die Zahl der fehlerhaften Erbgutbestandteile und kaputten Eiweiße zu. Die Krebszelle kann ihren Stoffwechsel nicht mehr aufrechterhalten und stirbt ab.

Ein Beispiel hierfür sind Proteasom-Hemmer. Das 26s-Proteasom ist ein Eiweißkomplex, der beschädigte Eiweiße abbaut oder repariert. Wenn das 26s-Proteasom gehemmt wird, fallen gehäuft fehlerhafte Eiweiße in der Zelle an. Haben sich viele fehlerhafte Eiweiße angesammelt, werden Krebszellen beschädigt und es kommt zum Zelltod. Proteasom-Hemmer sind z.B. zur Behandlung des Multiplen Myeloms zugelassen.

Die meisten Small Molecules werden als Kapseln oder Tabletten über einen längeren Zeitraum eingenommen. Wie oft und in welchen Abständen sie eingenommen werden, hängt von den angewendeten Wirkstoffen ab.

Die Tabletten können selbständig zu Hause eingenommen werden. Für eine ausreichende Wirksamkeit muss die Einnahme sehr zuverlässig und regelmäßig durchgeführt werden.

Viele Small Molecules sind für ganz bestimmte Krebsarten im fortgeschrittenen Stadium zugelassen. Sie werden eingesetzt, wenn andere Behandlungen den Krebs nicht aufhalten konnten. Eine Behandlung hat in den meisten Fällen das Ziel, die Lebenszeit zu verlängern.

In unserem nächsten Beitrag stellen wir die Behandlung von chronisch myeloischer Leukämie (CML) mit Small Molecules vor.

Weitere Artikel zum Thema