Psychoonkologie – Hilfe für die Seele bei Krebs

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Eine Krebserkrankung betrifft nicht nur den Körper. Sie stellt auch eine große seelische und soziale Herausforderung dar. Es ist normal, dass sich Betroffene und Angehörige gestresst fühlen und verschiedene Sorgen und Ängste haben.

Psychische Belastungen können bei einer Krebserkrankung auf drei Ebenen entstehen.

Da ist zunächst die körperliche Ebene. Durch die Erkrankung oder bestimmte Behandlungen ist die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Es kann z.B. zu Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten kommen. Vielleicht führt das erst mal zu einem Rückzug und dem Bedürfnis nach Schonung. Darüber hinaus können einige Medikamente, wie z.B. bei einer antihormonellen Behandlung, oder auch Begleitmedikamente, die Stimmung und das Befinden beeinflussen.

Die zweite Ebene ist die psychische Ebene. Hier geht es um Gefühle, Gedanken und Erfahrungen, die im Zusammenhang mit der Krebserkrankung auftreten. Viele Patienten erleben Gefühle wie Angst, Niedergeschlagenheit aber auch Wut und Trauer. Viele Menschen erleben die Diagnose Krebs als Schock, sie fühlen sich hilflos und durch die Krankheit bedroht. Zu einer Belastung können auch Gedanken werden, die sich um die Erkrankung drehen – beispielsweise die Frage nach dem Warum. Warum ist man selbst oder ein Angehöriger an Krebs erkrankt? Was kommt auf mich zu?  Aber auch die Sorge darüber, ob die Behandlung anschlägt, ob Nebenwirkungen auftreten und wie der Alltag mit einem geschwächten Körper zu bewältigen sein wird, kann Betroffene stark beschäftigen. Für einige Menschen sind die Befürchtungen vor der Behandlung belastender, als die eigentliche Erfahrung. Andauernde Gedanken und Sorgen, die keine Lösung finden, können zu Schlaflosigkeit und depressiven Verstimmungen führen.

Auf der dritten Ebene der sozialen Ebene, können Veränderungen in der Beziehung zum sozialen Umfeld zu Belastungen führen. Das können z.B. Rollenveränderungen im sozialen Umfeld sein oder auch Unsicherheiten darüber, wie man mit dem Partner oder den Kindern über die Erkrankung sprechen kann. Aber auch finanzielle Einbußen durch eine längere Arbeitsunfähigkeit oder der Verlust des Arbeitsplatzes können das Leben stark belasten. Die Diagnose und Behandlungen von Krebs bringen viele Termine mit sich. Diese Termine einzuhalten und zu organisieren, sind eine weitere Herausforderung sowohl für Alleinstehende als auch für Familien.

Die Psychoonkologie ist ein Teilgebiet in der onkologischen Versorgung. Sie beschäftigt sich mit den Zusammenhängen zwischen Krebs und Psyche. Sie betrachtet die psychische und soziale Situation und macht Angebote, um das Wohlbefinden zu verbessern, Ängste zu mildern und neue Ziele oder Motive zu finden. Die Psychoonkologie hat aber auch das soziale Umfeld im Blick. Deshalb steht das Angebot der psychoonkologischen Beratung auch Angehörigen zur Verfügung. Psychosoziale Beratung in Beratungsstellen und der Sozialdienst des Krankenhauses helfen zudem bei sozialrechtlichen Fragen (z.B. zu finanziellen Hilfen), um Belastungen von dieser Seite zu minimieren.

In der Psychoonkologie arbeiten verschiedene Berufsgruppen zusammen und verweisen im gegebenen Fall aufeinander. So wird z.B. ein Arzt bei sozialrechtlichen Fragen an die Sozialarbeiter des Sozialdienstes verweisen oder bei starken psychischen Beschwerden an einen Psychologen oder Psychotherapeuten vermitteln. Psychoonkologische Angebote werden von verschiedenen Berufsgruppen erbracht, z.B. von Fachärzten, Psychologischen Psychotherapeuten, Psychologen, Pädagogen, Sozialarbeitern, Pflegenden, Musiktherapeuten, Kunsttherapeuten, Physio- oder Ergotherapeuten oder Seelsorgern der verschiedenen Religionsgemeinschaften.

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