Kinder krebskranker Eltern

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Die Belastungen von Kindern durch die Krebserkrankung eines Familienmitglieds sind häufig nicht oder nur schwer sichtbar. Kinder spüren die Nöte und Ängste ihrer Eltern und wollen diese nicht noch zusätzlich belasten. Gleichzeitig haben sie Angst vor dem Verlust eines Elternteils.

Dieser Prozess verläuft zum Teil unbewusst. Je nach Alter können Kinder ihre Sorgen nicht verbal formulieren oder sich überhaupt darüber bewusst werden. Die Belastung der Kinder zeigt sich daher oft indirekt, z.B. durch körperliche Beschwerden, Verhaltensänderungen (wie Wutausbrüche, Ängste verschiedener Art) oder auch Verstummen und Rückzug. Manche Kinder fallen in frühkindliches Verhalten zurück. Sie beginnen wieder mit dem Daumenlutschen oder nässen ein.

Auf der anderen Seite können Kinder in eine Versorgerrolle oder Partnerersatzrolle geraten. Hierbei werden Kinder beispielsweise zum Tröster der Eltern oder übernehmen Verantwortung für andere Familienmitglieder, wie z.B. jüngere Geschwister.

Ebenso wie unter Erwachsenen gilt: offene Gespräche in der Familie können die Belastungen bei Kindern verringern und ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit vermitteln.

Kinder spüren Veränderungen und Bedrohungen häufig genauer als Eltern vermuten. Sie haben ein feines Gespür dafür, um was es geht. Sie  leiden daher besonders, wenn sich dieses Gespür und das Ausgesprochene unterscheiden, z.B. wenn ein bevorstehender Tod nicht thematisiert wird und das Kind stattdessen damit getröstet wird, dass der „Papa bald wieder gesund wird“. Kinder füllen das Unausgesprochene mit ihrer Phantasie. Einige Kinder entwickeln „Theorien“ was der Grund für die Erkrankung oder die Veränderungen in der Familie sind. Dabei können  innere Schuldzuweisungen entstehen, die schlimmer sind als die Realität, wenn ein Kind z.B. glaubt der „Mama geht es so schlecht, weil ich immer frech zu ihr war.“

Eltern fühlen sich häufig besser, wenn sie für ernste Nachrichten eine kindgerechte Sprache finden. Hier gibt es viele Kinderbücher, die helfen, das Thema kindgerecht und der jeweiligen Situation angemessen anzusprechen. Eine psychoonkologische Beratung oder auch eine Familienberatung können helfen, den passenden Weg in der Familie zu finden.

Wie kann man Kindern den Umgang mit dieser belastenden Situation erleichtern?

Zunächst ist es wichtig, dass innerhalb der Familie die Krankheit kein Tabu bleibt. Die Eltern sollten auf Fragen der Kinder so offen wie möglich antworten und Veränderungen im Krankheitsverlauf so bald wie möglich den Kindern mitteilen. Manchen Kindern hilft es, mit Freunden oder anderen Bezugspersonen über die Krankheit der Eltern zu sprechen. Eine Entlastung ist es auch, wenn unbelastete Lebensbereiche weiter fortgeführt werden, z.B. Spielen im Fußballverein, Besuche von und bei Freunden.

Kinder können und möchten auch einen Beitrag zur Entlastung der Eltern leisten. Damit dies nicht überfordert, ist es sinnvoll, einzelne und klar begrenzte Aufgaben übernehmen zu dürfen.

Darüber hinaus brauchen Kinder auch weiterhin tragfähige Bezugspersonen. Es ist hilfreich, die Beziehung zu anderen Familienmitgliedern z.B. zu Großeltern, Tanten oder zu befreundeten Familien zu stärken, so dass Kinder eine sichere Anlaufstelle haben.

Im Sterbefall ist es wichtig, dass Kinder aktiv mit einbezogen werden, in dem sie sich auf ihre Weise verabschieden können. Das kann ein Geschenk, z.B. ein Stofftier oder ein Bild für die letzte Reise, sein. Diese Möglichkeiten beugen unnötigen Ängsten und Isolation der Kinder vor. Auch einer Überforderung und den Gefühlen von Schuld kann so entgegen gewirkt werden. Darüber hinaus entsteht weniger das Gefühl Verlassen oder Im-Stichgelassen zu werden.

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